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Donnerstag, 16. August 2012

Wir müssen aufhören unsere Pferde zu demütigen und ihnen ihre Würde zurückgeben.

Die wenigsten Pferde haben das Vertrauen ihr Genick locker "herzugeben". Wie auch ?

Jeder, der das nicht nachvollziehen kann, soll jemanden bitten von hinten seine Hände links und rechts an den Backen zu positionieren und jetzt soll der Helfer versuchen, den Kopf hin und her zu bewegen. Wie fühlt sich das an? Er soll dann auch mal ruckartige Bewegungen machen. Wie reagiert ihr, resp. eure Muskulatur?

Aber aufpassen, so kann man das Genick brechen.....

Wenn ein Pferd sich also fest macht, ist das ein Schutzmechanismus, den viele mit roher Gewalt brechen wollen, indem sie einfach am Zügel ziehen. Meist rückwärts abwärts, damit das Gebiss noch auf die sehr empfindlichen Laden drückt, das Pferd, wenn möglich noch mit Sperriemen ausgestattet, quitiert das indem es vor Schmerz den Kopf hoch nimmt und somit eh keine Chance besteht, sich korrekt stellen zu können, da die zwei Knöchelchen, links und rechts des Hinterhauptbeins das durch die hohe Kopfhaltung verhindern.

Hier wird das sehr schön beschrieben: www.wege-zum-pferd.de/.../zwei-kleine-knochelchen-mit-groser-bed...

Jan ist auch ein Exemplar, dass man überzeugen muss, dass es Sinn macht locker im Genick zu sein. Nein, nicht etwa DIE Art.... je feiner man versucht, ihn zu stellen, umso lockerer bleibt er zumal das formen vorallem über den Sitz passiert und die feine Parade im rechten Moment unterstützend wirken kann. Gibt man sie aber zu früh, zuspät, oder hart, dann zerstört es die Bewegung des Hinterbeines nach vorne. Die Bewegung bleibt im wahrsten Sinn in der Wirbelsäule stecken! Und das merkt man, denn das fühlt sich schrecklich an.

Das Problem aber fängt ja schon viel früher an. Bei den Reitschulen. Wieviele gute Reitschulen gibt es überhaupt?

Eine Reitlehrerin hat mal etwas sehr treffendes geschrieben.


ein bisschen mag ich diese 08/15 reitschulen in schutz nehmen.
ich mag fast behaupten, dass es "kundenwunsch" ist, so reiten zu lernen.

das ding ist, dass reiten lernen so was verdammt schwieriges ist.
lernt man nicht "techniken des zuppelns und riegelns" kommt der schüler kaum voran!

er bräuchte entweder ein lehrpferd, was reitschüler nur jedes 5. mal trägt und ansonsten von sehr guten reitern geritten wird (was enorm teuer wäre für eine reitschule und höchstens privat über kontakte laufen könnte) oder aber es liegen 2-5 jahre vor ihm (bzw er käme nie darüber hinweg), dass er nur schritt udn trab eiernd durch die bahn reiten könnte...

lernt man es, den kopf zu dirigieren durch zügeleinsatz, geht alles viel schneller! dann kann man schritt, trab, galopp, korrekte hufschlagfiguren.

der frust, den eigenen körper nicht in den griff zu bekommen, bleibt beim zuppeln und riegeln dem schüler erspart und er hat keine zentnerlasten gewicht in der hand, weil das pferd manuell bestimmt nachgibt.

"reiten lernen" möchte heuzutage kaum noch jemand. spaß soll es machen udn erfolge müssen ständig zur hand.
und so kommt es dann.....
Ja genau, man muss an seinem Körper arbeiten. Man muss ihn beherrschen können, man muss trainiert und beweglich sein. Eigentlich wäre endloses Sitztraining nötig, bevor man jemandem die Zügel in die Hände drückt!

Es fängt schon dort an. Und es geht in erster Linie wieder um das liebe Geld! Das steht wie so überall an erster Stelle!

Es fällt mir extrem auf, dass sehr viele Anfänger sich Pferde kaufen und eigentlich sich keine Gedanken machen dass Athleten, und ja, ein Reitpferd ist ein Athlet, denn er muss Menschen rumtragen und dem bedarf es an seriösen Training, was kaum je jemand in einer 0815 Reitschule gelernt hat, trainiert werden müssen!

Nein man sitzt rauf, dann noch wie auf einem Stuhl, drückt noch die letzten Muskeln, dass das Pferd vielleicht noch auf dem Rücken hat, weg, und wundert sich weil das Pferd bockt, sich widersetzt, durchbrennt oder gar zu humpeln anfängt!

Dann ist ja immer das Pferd schuld!

So und jetzt bin ich so richtig vom Thema abgeschweift, aber das ist ja dann auch die Ursache von hartem Maul. Man manipuliert über das Gebiss und versucht sein Reitdefizit über mehr oder weniger groben Zügeleinsatz zu kompensieren. Die Abwärtsspirale fängt an zu drehen. Man nimmt vielleicht ein schärferes Gebiss, man reiss noch bisschen stärker, denn sonst würde es ja gefährlich usw. usw.

Das Pferd macht sich immer fester und wenn es sich im Genick fest macht, und das heiss nichts anderes, als die Muskeln sich beim Genick verspannen um das Gelenk zu schützen. Reiner Schutzmechanischmus und kein extra gesteuertes Ereignis. Das Pferd macht das NICHT extra um nicht zu gehorchen. Zudem reisst es den Kopf hoch, und schon läuft der Parasympatikus auf Hochtouren, und das Pferd ist fluchtbereit. Wenn dann das Martyrium nicht aufhört (stellt euch vor, jemand würde euch den Kiefer quetschen und Metallstücke an die Backenzähne schlagen...ich würd um mich schlagen....) dann brennen die einen durch und die anderen lassen den Reiter einen Abflug machen! Wenn ein Pferd im Genick verspannt ist, geht das bis hinten ins Becken. Es hat keine Chance mehr unterzutreten. Ein verspannter Muskel kann sich nicht aufbauen, kann nicht arbeiten, und wer schon Nackenverspannungen hatte, kann nachfühlen, wie ein Pferd Schmerzen haben muss!!

Nachher wird mit Marterausrüstung aufgedoppelt, bis das Pferd unreitbar geworden ist, dann kommt es zum nächsten usw. Vielleicht hat es Glück und kommt zu jemand der ihm all die Traumas mit guten Erlebnissen überdecken kann, und vielleicht endet es im Schlachthof! Wer ist schuld?? Natürlich das Pferd.

Es gibt auch die anderen, die geben einfach auf, lassen mit sich machen was man will. Diese Pferde sieht man oft in den Reitställen und sie tragen Anfänger rum und gelten als sooo lieb. Bei deren Anblick schiessen mir regelmässig die Tränen in die Augen.

Die Augen erzählen Geschichten, warum hört da niemand zu?? Das Traurige ist, dass die, die sie hören, wieder aufhören zu reiten, weil sie meinen das müsse so sein und können da nicht dahinter stehen. Wer bleibt dann noch zurück?

Nicht, dass ich jetzt alle die reiten als gefühllos hinstellen möchte, aber der Protzentsatz ist hoch! Ich höre viel die Aussage: Ist ja schliesslich nur ein Tier!

Was die Profireiter vormachen ist fern von Vorbild und ist nichts anderes als legales Tierquälen. Aber der Wald- und Wiesenreiter, der sich einfach mal durch die Landschaft kutschieren lässt ist auch nicht viel besser.

Hätten wir früher keine Pferde gehabt, ich hätte aufgehört zu reiten, weil ich genauso reiten gelernt habe. So war ich auf stetiger Suche nach dem harmonischen!

Wenn man solche kritischen Gedanken äussert, kommt bald der Spruch: Na, jeder hat seine Fehler gemacht, man soll nicht mit Steinen werfen, wenn man selber im Glashaus sitzt usw.

Ja, ich habe sehr viele Fehler gemacht! Ich trage heute die Quittung dafür, weil es mir immer noch sooo leid tut! Ich bin sehr kritisch. Aber am strengsten bin ich mit mir selber!

Es liegt mir auch fern mit Steinen zu werfen, sondern ich möchte doch nur sagen dürfen, hey, es geht anders!! Mit jedem Pferd!

Wenn mir heute jemand sagt, das ist deine Meinung, aber die muss ja nicht die Wahrheit sein. Dann muss ich sagen, eine Tatsache ist eine Tatsache. Wenn man ein Pferd praktisch nur mit positiver Verstärkung und mit dem Geschick der Pädagogik (der gesunden ;-)) zu den "gleichen" wenn nicht noch besseren Resultaten bringt, wie mit Zwang, dann ist das eine Tatsache und ich habe Recht!

Zwang begleitet uns unser ganzes Leben. Es bringt uns dazu etwas zu machen. Wichtig ist wieviel Zwang, und wie man das einem Lebewesen klar macht, dass jetzt genau das nötig ist!

Beispiel: Ein Kind sagt immer ein unanständiges Wort o.ä. Wir drohen, noch einmal und dann gibts was aufs Maul. Wir hauen dann auch mal drauf. Resultat: Das Kind sagt vielleicht dieses Wort vor uns nie mehr, denn es ist eingeschüchtert.

Zweite Variante (ich wähle immer diese;-)) wir erklären dem Kind, warum man das nicht sagen, nicht tun sollte, und wie sich das anfühlt usw. Wir müssen uns wahrscheindlich paarmal wiederholen, aber lernen besteht ja aus Widerholungen, also irgendwann ist das drin bei dem Kind und zwar aus Ueberzeugung und nicht aus Einschüchterung!

Was mich wütend macht, sind eben solche Aussagen, oder immer wieder die Anschuldigungen, ich sei halt schon extrem. Interessant ist, ich bin bei der "Erziehung" (für mich eher Begleitung) meiner Kinder auch extrem. Da höre ich aber immer wieder wie das super sei, wie ich mich verhalte.....

Kinder und Tiere sind einander sehr ähnlich! Sie sind grundehrlich, unschuldig und voller Lebensfreude, weil sie im Hier und Jetzt leben.

Wir machen sie zudem was sie dann mal sind, und sie spiegeln uns unaufhörlich....





Mittwoch, 1. August 2012

schöne Einheit

Meine Idee....

Jan auf der Weide in einem fleissigen vorwärts in Schritt und Trab zu reiten mit aktiver Hinterhand am langen Zügel. Mit Fellsattel und Caveçon. Seine vordere Muskulatur soll sich entspannen, damit der Brustkasten gehoben wird, da er immer noch vorhandlastig ist.

Nachher Stellung abfragen und an äusseren Zügel führen.... Im Schritt ging alles noch relativ gut. Ich dachte mir ich reite bisschen geradeaus und nicht nur auf dem Zirkel, das war der erste Fehler!

Wie schon erwähnt ging es im Schritt noch relativ gut, aber im Trab da warf er mich im holprigsten nach unten drückenden Trab, dass es mir selber weh tat. Ich ritt weiter relativ geradeaus und versuchte über Stellung abfragen alles lockerer zu kriegen. Zu allem Uebrfluss fing er an mit dem Kopf hin und her zu schlagen, rauf und runter. hä, warum jetzt das?  Ich weiss, das Caveçon ist schmal und er ist sehr heikel auf der Nase. Lag es wohl daran?

Ich wurde ärgerlich und fing wieder an mir zu zweifeln, gab dann wiederum Hilfen, die ich dann selber als zu stark empfand, Jan machte sich immer fester und ich ging wieder in den Schritt über und versuchte ihn lockerer zu kriegen, was mir dann auch gelang. Ich war so gefrustet, dass ich aufhörte und longierte ihn noch um vom Boden aus zu schauen, was da los sein könnte. er schlug weiter mit dem Kopf zwischendurch, dass ich dann der dicke gepolsterte Kappzaum holte und er wurde ruhiger!! Tja, suuuper!!Wirklich gut ging es aber trotzdem nicht und ich war nur noch bemüht, ihn in eine lockere Stellung zu bringen, dass ich ihn dann loben konnte und mit einem positiven Abschluss entlassen konnte.

Die Lehre daraus....

Ich habe schlicht und einfach Jan wiedermal überfordert! Und mich somit auch. Anstatt einen Schritt retour zu gehen, wollte ich ihn trotzdem wieder über den Kopf formen.

Weil er kein Gebiss im Maul hatte, hatte er aber eine reelle Chance sich festzumachen zu seinem Schutz. wenn die Pferde den Kopf runter nehmen ist die Wirbelsäule sehr beweglich und erst das ermöglicht es ihnen, dass sie untertreten können und den Rücken aufwölben. Das ist aber wiederum sehr schwer für die Pferde, eben weil sie dann so beweglich sind, und erst die Balance finden müssen. haben sie die horizontale Balance noch nicht, steht es auch schlecht für die vertikale Balance. Versucht man sie dann zu erzwingen machen sie sich fest, weil sie Angst haben die Balance zu verlieren und schlicht und weg nicht auf die Schnauze fallen wollen, denn für ein Fluchttier ist das in etwa das Schlimmste was passieren könnte!

Manchmal ist es scheiss egal ob er bisschen Aussenstellung hat, solange er mich nicht nach eine Seite setzt. Er korrigiert sich schon selber, wenn man ihm nur feine Impulse dazu gibt, vorallem über den Sitz, wenn man ihn auch lässt...... Es braucht sowenig und schon bremst man die HH mit der Zügelführung. Manchmal kann ich wirklich die HH spüren in den Zügeln. Wenn man da nicht elastisch und unterstützend einwirkt bremst es das Pferd unheimlich. die Paraden müssen durchlässig sein. so kann man ein von hinten nach vorne mit einer, zur rechten Zeit gegebener weichen Parade unterstützen. Das ist ein so geniales Gefühl....

Beim gestrigen Reiten hatte ich dann wieder sehr schöne Erlebnisse. Ich bin auf die Weide gegangen.  Ich liess ihn erstmal am langen Zügel laufen und schaute nur, dass er nicht abgehackt lief. er ging eigentlich von Anfang an schön mit relativ tief eingestellter Kopfhaltung. Ich liess einfach mal meine imaginäre Kugel im Becken hin und her rollen, damit ich mich auch löse.

Jan möchte  sich ja gar nicht gerne rechts stellen. Ja, es ist seine Zwangsseite, aber ich forderte eben immer zuviel Abstellung auf der Seite, und das hat ihn überfordert. Darum ist seine Antwort erst mal NEIN, wenn ich am Zügel klingle!!! Asche auf mein Haupt!!!!

Also verlange ich im Moment einfach ein gerade und beim übertreten einfach ein wenig Sicht auf sein rechtes Auge und Nüster. Dehnen der äusseren Halsmuskulatur plus den Schultergriff mache ich nur vom Boden aus!

Ich fing an mit Konterschulterherein. Das ist leichter für ihn, vorallem rechts. Rechts verlange ich nur wenig Stellung dafür mehr Biegung. Links dagegen mehr Stellung und weniger Biegung. Links muss ich darauf achten, dass er mir nicht über die äussere Schulter geht, sondern sie wirklich frei macht . Das linke Hinterbein sollte unter den Schwerpunkt und nicht nach innen fussen. Wenn ich dann in dem Moment wo der innere HH abfusst, links eine ganz feine Parade gebe, kommt der Fuss tatsächlich weiter nach vorne. Genial zu spüren.

Im Schritt hatte er  eigentlich eine sehr konstante tiefe Kopfhaltung. Im Trab mehrheitlich auch, aber zwischendurch riss er ab und zu den Kopf hoch, und war sehr holprig. Ich ritt immer wieder Volten, wechselte die Seiten, schaute nur, dass ich gerade sass und bei den Schlangenlinien lies er sich dann schon mit tiefer Kopfhaltung umstellen! Ha, so muss es sein!

Ich hatte viel Seitengänge geritten. Warum komme ich immer wieder zwischendurch dazu über diese Zügel zuviel zu formen??? Man hat es so "gelernt" und sieht es einfach immer noch praktisch überall!!

 Wenn es einmal nicht so gut läuft, ein, zwei Schritte zurück, oder gar absteigen, und Bodenarbeit!!

wie fühlte ich mich gestern nach dem reiten? Einfach nur toll, und ich hatte zu 99 Prozent das Gefühl meinem Jan was Gutes getan zu haben!!

wie fühlte ich mich letztes Mal? Total traurig, egoistisch und unfair! Ich zweifelte an meinen Fähigkeiten, und fragte mich wiedermal ob ich nicht aufhören soll mit dem reiten...

Wenn sich das Pferd nach dem reiten, oder sonstigem Training, spielen, besser fühlt als vorher, dann macht man es richtig. Das heisst aber nicht, wenn man das Pferd schweissnass geritten hat, und es mit hängendem Kopf da steht und "entspannt" ist, dass es sich besser fühlt....

Schaut in die Augen, da findet ihr die Wahrheit, aber erschrickt nicht, was ihr dann sehen werdet.... sondern seht es als Chance, es besser zu machen!





Dienstag, 31. Juli 2012

Sinn und Unsinn....... ein paar kritische Gedanken

Da ich ja eine regelrechte Fars mit Jan hinter mir habe, wegen seinen Blockaden, die er sich gemacht hat, bzw. ich nicht verhindern konnte, beschäftigt mich dieses Thema enorm.

Es scheint gang und geben zu sein, sein Pferd so zu reiten, dass es sich immer wieder Blockaden holt, und diese regelmässig von einem Ostheopathen, Physiopathen oder Chiropraktiker gelöst werden sollte.

Als mir das bewusst wurde habe ich mir geschworen, wenn ich es nicht schaffe mein Pferd selber gesund zu erhalten mit reiten, dann mache ich nur noch Bodenarbeit mit ihm! Denn das kann es ja wirklich nicht sein!

Aber wenn reiten soviele Blockaden, also Verspannungen auslöst, wieso reiten wir unsere Pferde eigentlich??? Was sind Blockaden, das sind Verspannungen der Muskulatur um ein Gelenk, das z.B. überbelastet oder durch starke, und schnelle Manipulationen (z.B. Genick) sich schützen muss.

Das kann man nicht einfach so mit einer Behandlung lösen! Blockaden lösen immer eine Kettenreaktion aus, denn alle Muskeln sind miteinander verbunden. Ist im Genick was fest, dann kann die Hinterhand nicht nach vorne schwingen. Ist das LSG blockiert und gar das Becken schief, kann der Rücken nicht nach oben schwingen.

Als Reiter sollten wir diese Zusammenhänge erkennen können, um unsere Pferde gesund zu erhalten. Blockaden kann man nur lösen, indem man mit dem Pferd Gymnastik betreibt. Ist bei uns Menschen nicht anders.

Durch sinnvolles Gymnastizieren, Bodenarbeit, dehnen und stärken der Muskulatur können wir unseren Pferden viel Gutes tun! Und man darf die Psyche nicht vergessen!

Ich habe eine Zeit lang nur die fehlenden Muskel auf dem Rücken von Jan gesehen. Und er hatte den schöneren Rücken als die meisten Reitpferde, aber eben zuwenig.... Ich machte nur Uebungen mit ihm. Kein Fuss durfte auf der falschen Stelle auffussen usw.

Aber die Bespassung ist auch ein ganz wichtiger Effekt! Mit ihm spazieren gehen, spielen, clickern, Blödsinn machen usw.! Pilates usw. Psyche und Körper müssen im Gleichgewicht sein, wie bei uns! Auch Pferde können im zunehmenden Alter schwermütig werden.

Wir haben Schmerzen im Genick, oder Rücken usw, wir gehen zum Pysio, oder was auch immer. Massage tut wohl, und man verspürt Linderung. Aber kaum ist man zu Hause, kommen die Schmerzen zurück! W

Wirkliche Besserung kann man nur erwarten, wenn man abgeschwächte Muskeln stärkt, und verspannte Muskeln lockert und dehnt. Ich sprech da aus Erfahrung, da ich jahrelang starke Rückenschmerzen hatte, was nur aus verspannter, verkürzter und abgeschwächter Muskulatur entstand.

Muskeln sind sowas von stark, die können Becken schief ziehen, Beine kürzer erscheinen lassen und verursachen höllische Schmerzen! Auch bei Pferden!

Und ich möchte wetten, dass mein Jan eine zeit lang Kopfschmerzen hatte, weil er sich im Genick enorm verspannt hat. Leider hatte ich auch manipulativ jahrelang vorne eingewirkt. Ich dachte, ich hatte eine feine Hand, aber mir zieht es noch heute den Magen zusammen, wenn ich zurück denke!!! Und noch schlimmer, wenn ich sehe, wie an den Pferdekopfen rumgezogen wird........

Das gute "kneten", "abspielen" und wie das sonst noch heisst im Reituntericht, ist nichts weiter als manipulativ aufs Genick einzuwirken und ist nichts anderes als ein "von vorne nach hinten" reiten..

Nun gut, da kann ich leider die Einstellung der Reiter nicht ändern, aber ich kann es besser machen!

Ich habe mir sehr viele Bücher geleistet. In den Jahren ist so einiges an Material zusammen gekommen und ich lese immer wieder drin und erkenne immer wieder neue Zusammenhänge!

Ich habe sehr viel über Anatomie, Biomechanik und was es bedeutet ein Pferd zu reiten, gelernt! Einerseits bin ich total happy, was sich so an Wissen angesammelt hat, und dass ich jetzt die Sicherheit habe, meine Pferde gut zu bespassen und zu trainieren, damit sie auch was davon haben.

Anderseits bin ich auch sehr bestürzt darüber, dass sich die wenigsten Reiter bewusst sind, was sie machen oder nicht machen! Haben wenig bis keine Ahnung, was ein Pferd braucht um gesund zu bleiben usw.

Aber da drauf will ich nicht näher eingehen, denn ändern kann ichs leider nicht, aber ich kann es besser machen!

Ein Pferd zu besitzen birgt eine riesige Verantwortung!



Sonntag, 22. Juli 2012

Heute widmete ich mich Jimmy mit Langzügelarbeit. Vorallem wollte ich das Konter-Schulterherein und Kruppeherein erarbeiten.

Er war erst recht spannig, da ich ja eine Woche in den Ferien war, und jetzt auch zwei Tage nichts gemacht habe mit ihm. Er verträgt keine Arbeit oder Spiel schlecht. Er wird verspannt und unzufrieden.

Ich liess ihn erst nach dem warmlaufen, übertreten in ganz langsamen traben mit sehr tiefem Kopf langsam traben bis sich diese lockere links, rechts, links Halsbewegung bemerkbar machte. Da kann man gleich zusehen wie sich Wirbel um Wirbel lockert :-) Sobald ich aber wieder Zügel bisschen aufnahm, spannte er wieder....

Jedes mal, wenn er nach innen kommen wollte, legte ich ihm die Gerte an die innere Schulter und lockende Parade an dem inneren Zügel. Erst wenn er sich stellte, nahm ich vorsichtig den äusseren Zügel und versuchte die Stellung über den äusseren Zügel zu erhalten.

Ging in den Ansätzen sehr gut. Konterschulterherein war sehr gut, und das Kruppeherein schafften wir in den Ansätzen rechtsrum auch.

Ich arbeite jetzt viel mit Gudis mit ihm, und mit dem Langzügel. Muss mir aber gleichzeitig überlegen, etwas für seinen Geist zu machen. Irgendwelche Spiele, eine Wippe usw.

Das ist ein Foto am Kurs mit Babette Teschen Ende Juni 2012


Jan van Waberg


Mein Friese Jan ist im April 1995 geboren geworden. Ich hab ihn mit 4 Monaten gekauft,  und selber ausgebildet.
Seine Schiefe hatten wir gut „im Griff“ und er trat gut unter. Mit 8 Jahren liess ich ihn dann kastrieren. Fast zeitgleich wurde ich schwanger und wir zogen um.
Am neuen Ort war der Longierplatz nicht fertig, und ich durfte bald keine Anstrengung mehr machen, sonst hätte ich eine Frühgeburt riskiert. Also hatte Jan „Ferien“ L  Ich versuchte ihn noch zu longieren und er rutschte aus und fiel um….  Ich liess es sein.
Dann hatte ich eine schwere Geburt. Also in dem Sinne, dass es ganz schnell ging, und es mir alles extrem überdehnte, da meine Tochter fast 4 Kilo war und ich nicht gerade die breiteste. Alles war überdehnt, und blockiert. Sogar das Steissbein war verdreht.
Das war mir dazumal aber noch gar nicht bewusst. Ich hatte nur andauernd Schmerzen. Ich nahm Jan immer mit, wenn ich mit der Kleinen spazieren ging, oder fuhr mit der Kutsche oder dem Schlitten. Ab und zu ritt ich ihn. Aber Sattel passte nicht mehr und Jan ging nicht mehr schön.
Die Odysee, die doch sage und schreibe 6 Jahre dauern sollte, begann. Suche nach dem passenden Sattel, verschiedene Sattler bis Jan keinen Schritt mehr machte, und ich selber anfing Rücken vermessen,  Sattel umpolstern, und neue Sättel ausprobieren, bis ein Sattel gefunden wurde.
Sogenannte Fachleute und Reitprofis meinten, er laufe gut und ich sitze gut usw.
Ostheo und Physio war das nächste. Da wurde ein Beckenschiefstand  manuell „behoben“  ich sollte ihn dann paar Tage schonen, und dann wieder normal reiten.
Jan war schon ziemlich abgelöscht, und mein Bauchgefühl liess mich nicht los, dass  auch seine Kastrationsnarbe stört. Tja, einmal  wurde mit rotem Licht „entstört“ das andere Mal so abenteuerlich, dass ich mir das lachen verkneifen musste…

Ich stiess dann Anfangs 2009 auf den Longenkurs von Babette Teschen. Da ich echt kein Vertrauen in die Fachleute mehr haben konnte und mein Geld so ziemlich alle war, forschte ich auf eigene Faust. Ich ritt Jan nicht mehr oft, und nur solange, wie ich das Gefühl hatte,  dass es für ihn stimmt. Ich massierte ihn und ging spazieren.

Ich las und schrieb viel im WZP Forum von Babette.
Muriel, eine Physio von Deutschland kam zu uns und half mir enorm, und jetzt ging alles in die richtige Richtung.

Ich rieb die Kastrationsnarbe mit der APM-Salbe ein, und am nächsten Tag war alles dick geschwollen…. Und Jan war wie ausgewechselt. Der Rücken war hinten beim  Lendenwirbelbereich wie angehoben, die HH stand mehr unter dem Leib, und er brabbelte mich an, stellte den Kragen und schüttelte den Kopf. Das war unbeschreiblich. Hatte ich doch endlich den Beweis!!

So, Jan ist links hohl , Rechtshänder. Er setzt mich rechts runter und sein rechter Vorderhuf ist platter als der linke (Also jetzt nicht mehr) Leichter Schweifschiefstand nach rechts. Ich las und  las über die natürliche Schiefe und gute Uebungen  um dagegen zu wirken. Ich filmte Jan und lies es in Zeitlupe laufen, damit ich genau sah wo und wie jeder Huf auffusste.

Aber anstatt dass er mit der linken HH nach aussen neben dem Schwerpunkt vorbeitritt, tritt er nach innen zuweit unter den Bauch. Hingegen die rechte HH fusste plan, blieb aber nach der senkrechten Phase des Röhrbeins weniger lang am Boden(es tritt kürzer). Das stimmte dann wieder überein mit den Beschrieben der natürlichen Schiefe. Ich liess mich sowas von fertig machen mit dem. Kaum hatte ich das Gefühl eine Lösung zu haben, war ich wieder verwirrt! Und über den Schweifschiefstand las man nur Schlimmes, über Blockaden usw.

Nun, was sind Blockaden? Die entstehen hauptsächlich von verspannten Muskeln. Sei es durch ein Trauma, oder sie entstehen langsam durch falsche Belastungen und Bewegungen.

Die meisten Probleme des Reitpferdes bestehen durch nicht beheben der natürlichen Schiefe, die dann zur kranken Schiefe wird!

Bei  Jan, links hohl, ist die linke Muskelkette verkürzt. Diese zieht  mit der Zeit das Becken nach links unten. Linker Hüfthöcker ist weiter unten als rechter.  Das Lumposakralgelenk (das meiner Meinung nach viel wichtiger ist als das ISG) verbindet letzten Lendenwirbel mit Kreuzbein und ist ein Scharniergelenk. Es ist für das abkippen des Becken verantwortlich. Da jetzt das Becken nach links unten gezogen wird, fusst auch das linke HH unter den Bauch….
Wenn das Becken schief ist, ist auch das Kreuzbein schief. Ist das Kreuzbein schief ist auch der Schweif schief, und zeigt in Jans Fall leicht nach rechts. Das wiederum blockiert das Lumbosakralgelenk und das Becken kann nicht abgekippt werden.

Das wäre die linke Seite gewesen. Aber rechts geht auch was ab. Die rechte Muskelkette versucht dem  Zug der linken Seite entgegenzuhalten und verspannt sich immer mehr. Dann schreit alles nach Blockaden da, und dort und niemand getraut mehr was an seinem Pferd zu machen.

Dabei  ist sanfte Gymnastik, genau nach dem LK von Babette  genau das Richtige um da gegenzuwirken.  Es muss vorallem zwangslos sein, um jede weiter Verspannung zu vermeiden.

Normal sollte man KH links und SH rechts beim links schiefen Pferd vermeiden, aber da Jan  zuweit innen auffusst, sind diese Uebungen für ihn sehr wertvoll, damit die HH mehr unter den Schwerpunkt kommt und somit anfängt zu tragen.
Bei Jan richte ich auch nicht die Schulter auf die HH aus sondern setze die HH vor die Schulter.Bzw. Ich fordere ihn in ein ganz leichtes KH links auf, wenn er mich wieder rechts runter setzt. Und das nimmt er jedes Mal gerne an.
Anstatt sich durch diese Theorien zu stark zu verwirren lassen(obwohl die Theorie braucht es unbedingt), eigenes Pferd sehr gut beobachten, filmen, Zeitlupe, dann sieht man immer mehr.  Welches Bein tritt wie am Schwerpunkt vorbei und was könnte ich tun, um es zum tragen zu bringen. Aber aufgepasst, wenn das Pferd im Genick nicht locker ist, kommt von hinten auch nichts!

Mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass die ganze Problematik ganz stark im Zusammenhang mit Jans störender Kastrationsnarbe hängt. Irgendwie ist der  Beckenbereich sehr Energiearm gewesen.

Am Anfang musste ich die Narbe häufig einstreichen und sie reagierte immer wieder. Ich merkte das Ganze auch an Jans Algemeinzustandes und das untertreten verschlechterte sich immer wieder.

Aber durch die Bodenarbeit, LK, massieren und wenig reiten, musste ich sie immer weniger häufig einstreichen.

Diesen Winter konnte ich nicht so viel Bodenarbeit machen(massiert hab ich auch nicht), wegen der Witterung und bin dann hauptsächlich reiten gegangen, wenn auch nur kurz, da ich auch an meinen Blockaden arbeiten muss, die ich seit der Geburt meiner Tochter habe, aber  immer erfolgreicher löse. Aber sobald ich nicht mehr locker sitze, steig ich ab. Aber mit meinem selbergebastelten Fellsattel geht es auch da rasant vorwärts. Ich hatte natürlich durch meine eigenen Blockaden Jan überhaupt nicht geholfen. Und ja, ich hätte aufgehört zu reiten, wenn ich mein Sitzgefühl nicht wieder langsam zurückbekäme! Denn reiten ist nur eines der vielen tollen Dinge, die man mit seinem Pferd zusammen anstellen kann.

Also, ich merkte, dass Jan wieder Mühe bekam. Ich dachte zuerst die Kälte. Ich berührte die Narbe. Sehr kalt, ja gut, die Kälte. Dann strich ich wieder  Salbe ein, und es reagierte wieder. Einen Tag später longierte ich ihn und er ging so schön und bot mir wieder die halben Tritte an….die hat er mir einfach so mal nach dem Livekurs mit Babette geschenkt!
Es ist ein komplexes Thema, dass man nicht auseinandernehmen kann. 
So, noch paar Fotos

So sah Jan vor einem Jahr aus, als er die erste Behandlung bekam.

So sieht er heute aus

Und das ist sein grossvater Lammert260 da ist er schon sehr alt.

Jan bei seiner Mutter Janne die leider verstorben ist
So habe ich ihn kennengelernt mit vier Monaten

Auf der Hengstfohlenweide in Drachten
Als 2.5 jähriges Bubi
Als ca. 4 jähriger
Ca. 7 jähriger

Und vor einem Jahr. Das liegen geübt, und schaut genau, erfrisst im Fall!!! Er holt sich das Gudi selber! Hab ich gelacht!!!



Das sind noch 3 Fotos von Janne, seiner Mutter.

Hufbearbeitung

Heute möchte ich etwas über die Hufbearbeitung schreiben, da ich heute Jimmy und Jan die Hufe gemacht habe.

Bekanntlich formt die Bewegung den Huf, aber auch formt der Huf die Bewegung. Meine Pferde laufen barhuf, und zum Eisen tragen möchte ich mich nicht äussern, denn ich bin dagegen und finde sogar, dass es manchmal schon fast an Tierquälerei grenzt. Natürlich auch die falsche Barhufpflege.

Wenn man sich mit dem Hufmechanismus beschäftigt, wird einem schnell bewusst, was für ein Wunderwerk der Huf eigentlich ist! Und wie wichtig es ist, dass das Pferd sich 24 Stunden  bewegen kann.

Das Pferd hat 4 Zusatzherzen in den Hufen. Mit jedem Schritt wird pro Huf ein Schnapsglas voll Blut nach oben gepumt. Darum hat das Pferd im Verhältnis zum Körper ein kleineres Herzvolumen als z.B. ein Hund, der viel Zeit mit schlafen verbringt.

Darum ist es mehr als logisch, dass weder durch fixieren der Hufwand auf ein Eisen, noch Haltung in einer Boxe sehr pferdegerecht ist.

Zudem ist das Huf und der Mechanismus auch verantwortlich für Stoffwechsel und entgiften und unterstützt die Leber. Genau wie es auch das Horn der Kühe ist.

Da aber die Hauspferde gegenüber den wilden Verwandten doch noch viel rumstehen und ein Hinterbein entlasten ist viel zu beobachten, dass bei den hinteren Hufen die innere Hufwand länger wird und nach aussen pendelt.

Beim stehen verlagert das Pferd auch das Gewicht eher nach vorne und somit sind die vorderen Hufe runder und auch bisschen grösser als die hinteren.

Jetzt da die innere Hufwand beim HH höher ist, fusst das Pferd nicht mehr plan auf und nimmt somit weniger Gewicht hinten auf. Das ist wiederum nicht von Vorteil für die Tragkraft, die ein Reitpferd entwickeln soll. Zudem schmerzen oder zwicken die nach aussen pendelnden Seitenwände, da der Druck nach aussen an der Plättchenschicht zieht. Aehnlich wie wenn wir unseren Fingernagel nach aussen litzen würden....

Also um überhaupt ein planes Auffussen zu erreichen, müssen die Hufe so sorgfälltig korrigiert sein und wiederum soll das auffussen so sorgfälltig geübt werden, dass man den Huf immer weniger korrigieren muss.

Da jetzt aber das Horn ca. 1 cm pro Monat wächst, und Hufeisen alle 6 bis 8 Wochen gewechselt werden, spricht es ja für sich, dass da nicht viel korrigiert werden kann, denn es müsste viel zu viel bearbeitet werden, was wiederum schmerzhaft und eher schädlicher fürs Pferd wäre.

Mittlerweile kontrolliere und korrigier ich die Hufe meiner zwei einmal die Woche. So kann ich immer ganz wenig korrigieren und simuliere den natürlichen Abrieb viel besser.

Jan hat bei den vorderen Hufen immer im Trachtenbereich einen Tragrandüberstand und sobald der da ist läuft er vorne an der Hufspitze ziemlich rund das Horn ab.

Bevor ich das korrigiert habe, ist er ziemlich schwer auf der Vorhand gelaufen mit deutlichem Kratzgeräusch im Sand beim abfussen.

Nach der Bearbeitung, ich hatte im hinteren Bereich den Tragrandüberstand bis auf wenig eliminiert, und die Hufwände lotrecht geraspelt und im vorderen Bereich eine deutliche Mustangroll geraspelt.

Der Unterschied war enorm. Klar tendiert mein Friese zur Vorhandlastigkeit, aber er lief um Welten besser!

So hängt alles miteinander zusammen. Meine Pferde haben einen Rundlauf wo sie sich 24 h bewegen können, Weidegang, verschiedene Böden von Beton, Raster, Schotter, Wiese, aber trotzdem stehen sie im Verhältnis zu ihren wilden Verwandten noch viel rum.

Darum müssen wir umsomehr besorgt sein um ihr Wohl und das bestmöglichste zu unternehmen, dass es ihnen gutgeht! So provitieren sie von uns, und wir können auch von ihnen provitieren.

Leider sehe ich nur noch allzu oft, dass die Pferde nur ausgebeutet und zu egoistischen Zwecken genutzt werden, und genau da höre ich immer wieder, wie sie ihre Tiere lieben....

Noch was: Seit Jan immer mehr seine HH gebraucht und Tragkraft entwickelt, stelle ich fest, dass erstens, die hinteren Hufe, runder und bisschen grösser werden, und zugleich die vorderen bisschen kleiner werden. Phantastisch nicht?

Freitag, 20. Juli 2012

Jimmy, der weisse Riese



Das ist Jimmy, ein 17 jähriger Welshmountain/Shettymix. Ich habe ihn mit 11 Jahren bekommen.

Er war sehr agressiv. Hat aber nie jemanden gebissen, oder geschlagen. Er ging eher auf alle Vierbeiner los.... Er war total verspannt, hatte Rückenweh, einen enormen Unterhals und riss allen die Zügel aus der Hand. Er wurde ausschliesslich von Kindern geritten, und sehr stark über das Maul manipuliert, dass er zu seinem eigenen Schutz das Genick fest machte.


So sah er am Anfang aus! Ohren meist angelegt, enormen Kopfarmmuskel. Senkrücken (hier steht er noch ungünstig. Hinten bisschen höher.) Den Kruppenmuskel verspannt, da er die verspannten Rückenmuskeln halten muss, Lendenbereich ist abgeswächt. Gänzlich fehlende Oberlinie Hals, mit Axthieb. (Ist leider verdeckt von der Mähne)

Man merkte ihm an, dass er reiten mit Unwohlsein ja sogar Schmerzen verband. Somit verbannte ich den Sattel und das Gebiss, nähte ihm einen gebisslosen Zaum, und vorallen longierte ich ihn erstmal.

Ich kaufte ihm einen kleinen Sulky, und fing an zu fahren mit ihm. Das liebte er. Nichts verband ihn damit mit der Vergangenheit :-)

Auch erfuhr ich erst später, dass die Kinder dauernd runterflogen bevor er zu mir kam. Es wurde, als Jimmy Charakter abgetan, nur er machte das aus Selbstschutz, da er ein sehr charakterstarkes Pferdchen ist.

Durch sein nicht seriöses Ausbilden und reiten ist es praktisch unmöglich geworden, dass ihn ein Kind reiten konnte. Korrekturreiten wäre ja ein Kind völlig überfordert gewesen.

Meine 8 jährige Tochter ist (noch :-)) nicht so pferdeangefressen, dass sie regelmässig reitet und somit ist es sehr schwierig Jimmys negative Erfahrungen mit positiven zu überdecken.

Ein Erlebnis muss ich noch aufschreiben! Das war so eindrücklich!! Es heisst ja immer, du musst dem Pferd den Meister zeigen, damit es weiss, wos lang geht. Viel wird auch von Härte und Zwang gesprochen!

Finde ich absolutes Nogo!!!!

Jimmy hatte die starke Angewohnheit, einem Kind die Zügel aus der Hand zu reissen. Einfach mit voller Wucht Kopf zu Boden. Wehe dem Kind, dass die Zügel fest in den Händen hielt, wie es ja leider immer wieder "gelehrt" wird. Das machte einen Abflug!!!

Meiner Tochter lehrte ich schon immer den zügelunabhängigen Sitz, und die Zügel ganz fein in den Händen zu halten. Da wir aber diese Gurtzügel hatten, tat das ihr weh, wenn sie die Zügel durch ihre Händchen gleiten liess. Somit kaufte ich runde, weiche, geflochtene Zügel. Ich erklärte ihr dann, dass wir jetzt dem Jimmy beibringen, dass er nicht immer die Zügel aus der Hand reissen sollte! Also, wie macht man das??

Gute Ratschläge von Pferdeleuten: Ausbinden, damit der kopf nicht runter kann..... Genickstück via Seil mit Sattel verbinden, einen Klaps an Kopf usw.......

NEIN
Warum macht er das überhaupt??? Er macht das NICHT weil er uns weh tun möchte!!
Er macht das, weil er Angst um sein Genick hat!
Man sieht es nur zu oft, wie Reiter an den Zügel rumreissen! Erstens geht meist ein Metallstück durchs Maul, das sehr empfindlich ist, und zweitens ist das Genick ein sehr feines Gelenk. Wenn das gebrochen ist, ist es aus mit dem Leben. Und um das empfindliche Maul zu schützen, verspannen die Pferde alle Halsmuskeln, denn verspannen der Muskeln ist natürlicher Schutz, damit Gelenke und Knochen heil bleiben!

Und keine Widersätzlichkeit!

Er macht das also aus reinem Selbstschutz, weil der Mensch so gedankenlos agiert hat!

Ziel war, ihm zu zeigen, dass er keinen Grund hat, sich schützen zu müssen!

Ich sagte zu meiner Tochter, sie solle die Zügel noch lockerer als sonst, in den Händen halten. Wenn dann Jimmy den Kopf nach unten sausen lasse, einfach Zügel loslassen, warten bis er ganz ruhig ist, Zügel sachte wieder aufnehmen, und ihn vorsichtig anfragen, ob er weiter gehen könne!

Es funktionierte, aber Jimmy wurde zunehmend nervöser, bis er mal den Kopf runterzog und Bewegungen aus dem Genick machte um den Zügel locker zu bekommen, der ja gar nicht angespannt war!

Plötzlich wurden seine Bewegungen langsamer und ich merkte wie er aus einer Art Hysterie aufwachte, plötzlich mit dem Kopf unten innehielt, und ihm bewusst wurde, dass da ja niemand dran zog!

Von da an ging es besser! Leider wird er eben wie schon geschrieben, zuwenig geritten um das noch besser zu verankern. Ich mache auch Zügelarbeit mit ihm, aber da wahrscheinlich selten ein Erwachsener mit ihm gearbeitet hat, macht er da auch besser mit.

Es ist eindrücklich wie die Tiere auf Sanftheit reagieren! Sie brauchen keine harte Hand, und Schläge usw.

Tiere sind unschuldig und grundehrlich, und zeigen uns unerbittlich auf, was wir falsch machen, und wir beschuldigen, und strafen sie für unser Unvermögen ihnen gegenüber.... ist das nicht schlimm?